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Okt
30
Di
19:00 AG Bildung @ Grünes Zentrum
AG Bildung @ Grünes Zentrum
Okt 30 um 19:00 – 21:00
Treffen am 5. September in der Primusschule bei der Podiumsdiskussion zu “Münster inklusiv denken”.
Nov
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19:00 AG Bildung @ Grünes Zentrum
AG Bildung @ Grünes Zentrum
Nov 13 um 19:00 – 21:00
Treffen am 5. September in der Primusschule bei der Podiumsdiskussion zu “Münster inklusiv denken”.
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Eine kleine Geschichte der GAL-Münster

Von der außerparlamentarischen Opposition zur GAL-Münster

In Anbetracht der vielfältigen Parteienlandschaft heute ist es kaum vorstellbar, dass es einmal lediglich drei Parteien in den meisten Parlamenten in der Bundesrepublik Deutschland gab. Die kleineren Parteien scheiterten bis Ende der 70er Jahre an der Fünf-Prozenthürde, die auch für Kommunalwahlen galt.
Mit der damaligen Atompolitik, der drastischen Umweltverschmutzung und später auch mit dem Nato-Doppelbeschluss wuchs in Ende der 70er Jahren der Widerstand der gegen die damals vorherrschende Politik. Schon damals verkauften die etablierten Parteien ihre Politik als alternativlos. Da immer mehr Menschen sich damit nicht abfinden wollten, war klar, es muss eine Partei links der SPD her. Standbeine des außerparlamentarischen Protestes waren neben der Friedensbewegung die Anti-Atom-Bewegung, die Umweltschutzbewegung, die Frauenemanzipationsbewegung und Soziale – und Bürgerrechtsinitiativen wie die „Krüppelbewegung“, Initiativen für die Rechte von Schwulen und Lesben oder Initiativen „gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung“.
Die Grünen Vorläuferorganisationen, die sich unter dem Namen “Sonstige politische Vereinigung Die GRÜNEN” 1979 zusammengefunden hatten, verbuchten bei der Europawahl am 10. Juni 1979 in Münster mit 5,5% einen nicht für möglich gehaltenen Wahlerfolg. Dieser hatte schließlich den Schub gebracht, den es noch brauchte, um 4 Monate später in den Rat einziehen zu können. Denn er hat gezeigt, dass es in Münster realistisch war, erstmals als eine neue, links-alternative politische Kraft neben den etablierten Parteien in den Rat einziehen zu können. Bei der Gründung im Juli 1979 war die Grüne Alternative Liste (GAL) ein relativ „bunter“ Zusammenschluss. In der Universitätsstadt Münster kamen neben den Grünen Gruppen wie GLU und AUD noch viele linke, studentische Gruppen und Initiativen hinzu, u.a. . der Arbeitskreis Umwelt (AKU) und verschiedene Frauengruppen.
Wir traten für einen Politikwechsel an mit den Themen, die uns bewegten und gegen den schwarzen Filz, der in Münster seit Jahrzehnten herrschte. Schließlich ist die GAL mm Herbst 1979 bei der Kommunalwahl mit 6 % in den Rat eingezogen.

„GRÜN-Alternative Rats-Arbeit hat Münster verändert”

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Die Fraktion nach der 1. Rotation.

Trotz aller unterschiedlichen Auffassungen in der Anfangsphase über den politischen Weg, vieler langwieriger Grundsatzdiskussionen und auch Trennungen und Krisen haben die von der GAL aufgebrachten Themen und ihre Arbeit in Münster viel verändert. Probleme wie Waldsterben, Anti-Atom, Klimakatastrophe oder Themen aus den sozialen Bewegungen wie Frauenrechte, Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen, der Kampf gegen Wohnungsspekulation und Vernichtung preiswerten Wohnraums aber auch der Kampf gegen das damalige südafrikanische Apartheitssystem in Südafrika hatten wir damals alleine besetzt.

Diskriminierung und Polizei

Auch persönliche Angriffe, Diskriminierungen („kommunistisch unterwandert“, „pervers, weil schwul“) oder Polizeiaufgebot vor dem Rathaus-Eingang bei Sitzungen mussten den Trotz geradezu hervorlocken: „Wir waren eine anerkannt fleißige Fraktion – und wir haben oft auch das geboten, was die anderen von uns erwartet haben“. Erinnert sei hier an den legendären Rats-Auftritt in Bademänteln, um („Die Altstadt soll nicht baden gehen“) gegen das Tibus-Projekt zu protestieren. In der Schlips- und Anzug-Landschaft der 80er Jahre nicht der einzige Verstoß gegen den bürgerlichen Konsens. Mit umfassenden parlamentarischen Initiativen zu Themen wie Kindertagesbetreuung, kommunaler Friedenspolitik, Antifaschismus, für eine soziale Stadtentwicklung, Tempo 30 oder einem radikalen Wandel in der Alten- und Pflegepolitik (weg von Großheimen hin zu Wohn- und Hausgemeinschaften) waren vor 30 Jahren radikale Forderungen. Wir haben erreicht, dass diese Themen heute in die Mitte der Gesellschaft angekommen sind und die Politik mitbestimmen.
Die Hoffnung der anderen Parteien, dass es sich bei der GAL lediglich um ein kurzeitiges Intermezzo handeln würde, erfüllte sich nicht. Bei den Kommunalwahlen 1984 konnten wir einen erdrutschartigen Wahlerfolgt von 15,4% verbuchen und uns seither dauerhaft als drittstärkste politische Kraft in der münsteraner Parteienlandschaft verankern.

Grüne Vielfalt und organisatorische Einheit

Nur ein Jahr nach der GAL wurden 1980 Die Grünen in Münster gegründet. Dabei waren wir darauf bedacht, dass es keine Konkurrenzorganisation zur GAL geben sollte. Deshalb wurde weitgehend eine gemeinsame Organisationstruktur von Grünem Kreisverband und GAL aufgebaut. Auch nachdem Anfang der 90er Jahren beide Organisationen in den KV Bündnis90/Die GRÜNEN aufgegangen sind, wurde das “Label GAL” nie aufgegeben. Dies war auch gut so, denn Ende der 90er Jahre kam es zu einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten mit dem Kurs der Bundestagsfraktion insbesondere in der Friedenspolitik
Viele aktive Mitglieder des Kreisverbandes und der Ratsfraktion traten danach aus Protest aus der Partei Bündnis90/Die Grünen aus. Um diese insbesondere im Hinblick auf die Kommunalpolitik nicht zu verlieren wurde die GAL als Arbeitsplattform wiederbelebt. Zudem erhielt die Ratsfraktion den Beinamen GAL. Dies ermöglichte schließlich all denen eine weitere Mitarbeit bei uns, die nach wie vor die Ideale und Ziele einer Grünen und alternativen Politik verfolgten, aber Kritik an einigen Positionen der Bundes-Grünen hatten, insbesondere in der Kosovo-Frage.
Dass es dem Grünen Kreisverband in Münster wichtig war, dieses kritische Potential an Mitgliedern zu halten, sicherte eine Pluralität innerhalb des Grünen Spektrums in Münster und zahlte sich auch als dessen Stärke aus. Die GAL heute bietet denjenigen die Chance auf aktive Teilhabe, die zwar nicht mit allen Positionen auf Bundes- und Landesebene einverstanden sind, kommunalpolitisch aber sich verbunden fühlen und bei uns mitarbeiten wollen.
Heute, 35 Jahre nach unserer Gründung können wir auf eine bewegte kommunalpolitische Zeit zurückblicken.